Schnee von gestern

Liebe Leute, wo ist die bedrohlich grinsende Dachlawine hin, die gestern noch überm Schlafzimmerbalkon hing? Da wollte ich die gerade mit dem Besen vom Dach holen. Aber sie ist bereits in den Wald gegangen, hat sich dort eine Hütte gebaut, eine Anleitung aus dem Internet runtergeladen und sich flugs in die Luft gesprengt. Ja, jetzt gerade ist die Dachlawine nach einer langwierigen Prüfung des hiesigen Amtes im Lawinenhimmel angekommen. Da wird Gott jeden Morgen nach dem Aufwachen die Ärmel seines rot-weiß karierten Hemdes aufkrempeln, weil er viel auf ländliche Tradition hält, wird sich an den urtümlichen, hölzernen Waschbottich stellen, den er noch von seiner Großmutter mit den drei weißen Haaren hat, und dann wird er die Dachlawine waschen, bis sie ganz rein ist. Wenn die aber endlich ganz weiß ist wie im Märchen von Frau Holle, darf sie zum Frühstück 70 schneeweiße Jungfrauen unter sich begraben.