IPA

 Institut für poetische Alltagsverbesserung

AUFRUF

Sehr geehrte (zukünftige) temporäre MitarbeiterInnen,

ich ermuntere Sie, für das Utopie-Projekt des IPA die Beschreibung eines optimistischen (!) utopischen Buches einzusenden, das es nicht gibt, das Sie aber gerne lesen würden, weil Sie vermuten, dass es Ihr Leben verändern könnte. Die eingereichten Texte werden zum Teil von mir, zum Teil von anderen ausgeführt, weitergedacht oder korrigiert, zum Teil in der Skizze belassen. Ziel ist es, eine möglichst wuchernde Beschreibung einer Welt zu erstellen, die in sich heterogen und widersprüchlich ist und doch ein Ganzes bildet.

Ein Vorbild für Ihren Beitrag könnte die folgende Beschreibung von Margaret Cavendishs „Die gleißende Welt“ aus dem Jahr 1666 sein:

„Eine junge Frau wird von einem Verehrer mit einem Boot entführt. Ein Sturm treibt das Boot zum Nordpol. Die Frau überlebt und gelangt in eine Welt, die mit der unseren über den Nordpol verbunden ist. Dort trifft sie auf vernunftbegabte, aufrecht gehende Wesen in Tiergestalt, die in Frieden miteinander leben. Die „Vogelmenschen“ der gleißenden Welt können zu den Sternen fliegen und betätigen sich als Astronomen, während die „Wurmmenschen“ als Geologen das Innere der Erde erkunden. Die Protagonistin wiederum holt den Geist einer Freundin zu sich. Es ist die Autorin. Diese erdenkt sich eine eigene Welt …“


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DAS INSTITUT, Hörspiel, ORF 2018 ++++

Seit einiger Zeit bereits klaut die Politik der Poesie ihre Methoden, erfindet Figuren und Realitäten. Dem wirkt das „Institut für poetische Alltagsverbesserung“ entgegen. Es hält dabei sein Gorgonen- oder Medusenhaupt hoch, einen starkt verzweigten Schlangenstern, der seine Arme den Strömungen der Weltmeere entgegenstreckt. Derzeit betätigt sich das IPA in Form eines Hörspiels (Regie: Renate Pittroff), das möglichst viele Menschen vernetzt, damit sie gewissen gewissenlosen Strömungen der Welt besser standzuhalten vermögen. „Das Institut“ öffnet ihnen / Ihnen seine Pforten, damit sie / Sie es von innen in all seiner Peinlichkeit bewundern und selbst beginnen können, es umzubauen. Die Politik wiederum, die gewohnt ist, das „Institut“ in seiner Kreativität zu imitieren, wird so dazu gebracht, unversehens selbst die Hosen runterzulassen …

Beiträgerinnen zum Hörspiel „Das Institut“: Isabelle Akhavan, Ana Bagradjans, Tanja Brandmayr, Angela Essel, Clemens Gadenstätter, Martina Gasser, Wiltrud Hackl, Christina Kaindl-Hönig, Flora Katschthaler, Ute Katschthaler, Ilse Kilic, Carina Luksik, Mariana-Virginia Lazarescu, Anna Maschik, Julia Möbius, Felicitas Prokopetz, Dana Pfeiferová, Greta Pichler, Raffaella Mayana Romieri, Gertrude Saxinger, Otto Saxinger, Sabine Schuster, Birgit Schwaner, Franziska Schweizer, Naomi Stein, Petra Stein, Rebekka Stein, Silvana Steinbacher, Karin Elisabeth Sturm, Ulrike Tauss, Christoph Theiler, Barbara Weiß, Victoria Windtner, Anne Zauner, Jörg Zemmler, Barbara Zwiefelhofer und eine Träumerin, die anonym bleiben möchte.

++++SERVICE++++

„Buy your future“ = „Dings-Orakel“. Überlassen Sie Ihr Schicksal nicht dem Zufall! Wählen Sie aus unserem Sortiment eine Zukunft, die zu Ihnen passt. Das Angebot umfasst jeweils ein „Dings“ (= ein Stückchen recycelter Plastikmüll) und einen Original-Orakeltext. Bei uns gibt es nur positive Zukünfte. Durchmesser der Döschen: 3,9 cm. Das Einzelstück erhalten Sie um 17 EUR.

++++ SERVICE++++

Die Traum-Tüte für sie und ihn.

Dass Erinnerungen sich verändern, aber auch mit Absicht verändert, ja sogar implementiert werden können, ist bekannt. Warum sollten Sie sich mit unerfreulichen Ereignissen Ihrer Vergangenheit oder Erinnerungen an Albträume quälen? Lassen Sie Ihre schlimmsten Stunden beim Institut für poetische Alltagsverbesserung in lichte Momente umschreiben, mit denen Sie in Zukunft viel Freude haben werden.

Ihnen entfällt vieles? Wir schreiben Ihnen Erinnerungen, die besser als die Originale sind.

Die Erinnerung der Zukunft kommt aus dem Hause IPA.

Hier können Sie gleich eine Mail an das IPA schicken : Kontakt

Traumverbesserungen werden in Traum-Tüten versandt. Enthalten sind jeweils auch zwei Fotos, mit deren Hilfe Sie lernen können, sich an die verbesserte Traumversion  zu „erinnern“.

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Die vom IPA kuratierte Wanderausstellung (aufgrund ständiger Projekt-Schwangerschaft unangenehm demonstrativ am Leibe der Personifikation des Instituts herumgeschleppt) zeigt derzeit ein ganz besonderes Objekt. Eine Datierung weist das Köfferchen, über dessen Herkunft sich das IPA wohlweislich ausschweigt, nicht auf, aber zumindest eine Beschriftung, denn sonst wüsste man ja nicht, dass es sich da um etwas handelt, das fast so wichtig ist wie Kunst, nicht wahr? Also dieser quasi-fast-künstlerische, aber wegen besserer Verkaufbarkeit simuliert-wissenschaftliche Beipackzettel behauptet, es handle sich bei dem Gebilde um ein „[m]angelhaft erhaltenes Exemplar der Notplastinierung eines so genannten Ameisenkuchens, leider wolkig geworden durch die Wechselwirkung des Plastinierungsmaterials mit einer unbekannten Substanz (Baumharz??? Eine Bestätigung würde die Hypothese stützen, dass Ameisenkuchen als Abwehr-Absonderung von Bäumen gegen die Besiedelung mit Formica rufa entstehen [s. Lehrfilm „CODA“, O. Saxinger 2017]).“