IPA

 Institut für poetische Alltagsverbesserung

Das IPA widmet sich der Tätigkeit, der sich die Poesie widmen sollte: der Erbauung. Es wirkt in einer Zeit der Unsicherheit konstruktiv und versteht sich als Dienstleistungsbetrieb, der von uns (einer tmporären und sich ständig verändernden Körperschaft) und für uns unterhalten wird.
Ob poetische Schluckbildchen gegen Übel aller Art oder Traum- und Erinnerungsverbesserungen – das IPA verbessert ihren Alltag. In der Abteilung Hosentaschen-Kunstedition“ ist beispielsweise unsere REVOLOTION erhältlich, die einzige Revolution, die Sie sich in die Haare schmieren können. Weiters gibt es dort das Müll-Orakel, das in kleinen Behälterinnen gekauft werden kann. Jedes Orakelobjekt besteht aus einem Müll-Einzelstück mit einem Einzelstück-Text. Man sucht sich im IPA die Zukunft aus, die einem gefällt und kauft sie einfach. Das ist eine sehr moderne, demokratische Form der Zukunfts-Weissagung, bei der Sie sehr selbstbestimmt handeln können.
Nähere Informationen und weitere Produkte unter ☞ Hosentaschen Kunstedition.
Besuchen Sie außerdem unsere Abteilung ☞ Edition kleine Brötchen! Dort finden Sie unsere gedrucken Erzeugnisse. Ganz neu unsere Corona-Edition: „Aus dem Buch der Knöpfe. Abreißkalender für eine schwere Zeit“ von Sophia Brkić. Darin finden Sie 12 Knopfmeditationen, die Ihnen in jeder Lebenslage hilfreich sein dürften.


Youtopia-Projekt des IPA

Mit dem Youtopia-Projekt besucht das IPA Orte in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Rumänien. Die Korrespondentin des IPA in Yukon bringt ebenfalls utopische Gedanken mit. Utopische Miniaturen können außerdem ans ☞ Institut geschickt werden!

Sehr geehrte Datenträgerinnen und Datenträger,

heute Nacht träumte ich von einem Katalog, in dem ich las oder aus dem ich einer undeutlich mir vorkommenden Person kurze Passagen zum Besten gab. Er bot Beschreibungen von neu erschienenen Büchern, sah aus wie jener der Interessensgemeinschaft österreichischer Autorinnen Autoren. Einer der vorgestellten Bände trug den Titel „KOOF“. Ich wusste sofort: Er konnte mein Leben ändern. Jemand hatte ihn in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts geschrieben, er war sogar als Puppentheaterstück gefeiert worden. Ich erzählte das der verschwommenen Person neben mir, erklärte ihr, wie sehr ich von dem Buch begeistert wär. Dürfte ich es nur lesen! Kurz standen wir gemeinsam vor dem Schaufenster des Figurentheaters, so sehr gefiel uns, was wir in dem Buch erfahren wollten. Dann wachte ich auf. Ich gab „KOOF“ in die Maske einer Übersetzungsmaschine ein. Die Maschine erkannte das Wort als afrikaans. Seine Bedeutung: „BUCHT“.

Ich sah: So ein Katalog ist eine Odyssee, die von Utopia nach Utopia führt. Er ist der Katalog der Orte einer traumhaften Welt.

Ich bitte Sie daher:

Helfen Sie mir, die Welt unserer geheimen Utopien zu kartografieren. Schicken Sie mir Ihre Beschreibung eines utopischen Romans, der nicht existiert, den Sie aber gerne lesen möchten. Ich werde mich bemühen, alle Ihren utopischen Splitter zu einer flatterhaften Weltkarte zusammenzufügen.

In Vorfreude auf unsere konstruktive Zusammenarbeit

Lisa Spalt


++++ DAS INSTITUT, Hörspiel, ORF 2018 ++++

Seit einiger Zeit bereits klaut die Politik der Poesie ihre Methoden, erfindet Figuren und Realitäten. Dem wirkt das „Institut für poetische Alltagsverbesserung“ entgegen. Es hält dabei sein Gorgonen- oder Medusenhaupt hoch, einen starkt verzweigten Schlangenstern, der seine Arme den Strömungen der Weltmeere entgegenstreckt. Derzeit betätigt sich das IPA in Form eines Hörspiels (Regie: Renate Pittroff), das möglichst viele Menschen vernetzt, damit sie gewissen gewissenlosen Strömungen der Welt besser standzuhalten vermögen. Das Institut öffnet ihnen / Ihnen seine Pforten, damit sie / Sie es von innen in all seiner Peinlichkeit bewundern und selbst beginnen können, es umzubauen. Die Politik wiederum, die gewohnt ist, das „Institut“ in seiner Kreativität zu imitieren, wird so dazu gebracht, unversehens selbst die Hosen runterzulassen …

Beiträgerinnen zum Hörspiel „Das Institut“: Isabelle Akhavan, Ana Bagradjans, Tanja Brandmayr, Angela Essel, Clemens Gadenstätter, Martina Gasser, Wiltrud Hackl, Christina Kaindl-Hönig, Flora Katschthaler, Ute Katschthaler, Ilse Kilic, Carina Luksik, Mariana-Virginia Lazarescu, Anna Maschik, Julia Möbius, Felicitas Prokopetz, Dana Pfeiferová, Greta Pichler, Raffaella Mayana Romieri, Gertrude Saxinger, Otto Saxinger, Sabine Schuster, Birgit Schwaner, Franziska Schweizer, Naomi Stein, Petra Stein, Rebekka Stein, Silvana Steinbacher, Karin Elisabeth Sturm, Ulrike Tauss, Christoph Theiler, Barbara Weiß, Victoria Windtner, Anne Zauner, Jörg Zemmler, Barbara Zwiefelhofer und eine Träumerin, die anonym bleiben möchte.


Die vom IPA kuratierte Wanderausstellung (aufgrund ständiger Projekt-Schwangerschaft unangenehm demonstrativ am Leibe der Personifikation des Instituts herumgeschleppt) zeigt derzeit ein ganz besonderes Objekt. Eine Datierung weist das Köfferchen, über dessen Herkunft sich das IPA wohlweislich ausschweigt, nicht auf, aber zumindest eine Beschriftung, denn sonst wüsste man ja nicht, dass es sich da um etwas handelt, das fast so wichtig ist wie Kunst, nicht wahr? Also dieser quasi-fast-künstlerische, aber wegen besserer Verkaufbarkeit simuliert-wissenschaftliche Beipackzettel behauptet, es handle sich bei dem Gebilde um ein „[m]angelhaft erhaltenes Exemplar der Notplastinierung eines so genannten Ameisenkuchens, leider wolkig geworden durch die Wechselwirkung des Plastinierungsmaterials mit einer unbekannten Substanz (Baumharz??? Eine Bestätigung würde die Hypothese stützen, dass Ameisenkuchen als Abwehr-Absonderung von Bäumen gegen die Besiedelung mit Formica rufa entstehen [s. Lehrfilm „CODA“, O. Saxinger 2017]).“