Psittacos

von oben herab

Alphabet hatte nun also diese Buchstabensuppe, die ihn spiegelte, in seinem Teller, und so ergab sich ganz nach den Naturgesetzen folgende Geschichte: „Eines Tages begann der Mensch, Sofas zum Neupreis kleiner Autos zu kaufen, und weil diese so teuer waren, stellte er die Getränke stets säuberlich auf dem Sofatisch ab, um sein an der Stelle eines Mannes geliebte Sofa nicht zu bekleckern. Wenn er trinken wollte, stand er, dieser Mensch, dafür auf und nahm vor dem Tisch eine gewisse „Hochachtung verratende“ Haltung ein, um sich dann tief zu „verbeugen“ oder aber zu „verbiegen“ und einen sehr weiblichen kleinen Schluck von seinem Getränklein zu nehmen. Der Tisch aber, den diese Frau inzwischen „smart“ gemacht hatte, merkte sich das, wie es auch die anderen Möbel mehr als zur Kenntnis nahmen. Sie alle vermehrten sich nun, bis sie sich gar nicht mehr benutzen ließen und den Menschen mit nichts als seinem Beauty-Spiegel einer gewissen Marke einfach aus dem Haus vertrieben. So wurde der Mensch mit den Möbeln – gerade dadurch, dass er so viele besaß – zum Urmenschen, der keine hatte und im Freien lebte. Die Möbel, die „Beweglichen“, wurden  sesshaft, während der Urmensch wie ein Nomade, der er nicht war, in der Welt herumzog oder auf dem Fußabstreifer vor seiner Wohnung verstarb.“ Dies wäre jetzt eine dieser Geschichten, die, wie der Literaturexperte H.W. einst mir gegenüber verlangte, vorschriftsmäßig nach Art einer Murmel auf einem schräggestellten Brett, dessen Symbolik unklar ist, von oben nach unten rollen.

Arethusa und Alphabet

Arethusa, die Quelle (Source), hat ihr Kind, den „Strom Alphabet“, aufgrund ihres gefährlichen Jobs als „Entspringerin“ zur Adoption freigegeben. Alphabet ist mithin der Sohn einer Stromquelle, mehr oder weniger also der „Strom an sich“. Es „verfließt“ einige Zeit, wobei die Zeit beim Strom im „übertragenen“ Sinne zu verstehen ist. Was ist die Botschaft? Alphabet kennt sie nicht. Also sucht er nach seinem Ursprung. Murmelnd fragt er nach der Quelle – seinem „Code“ –, den er als Mutter (Matrix) bezeichnet, weil er bei den Menschen aufgewachsen ist. Aufgrund dieser falschen Bezeichnung findet er aber am Ende nicht die Gesuchte, sondern tatsächlich nur eine alte Uhr. Ja, da sitzt dieser junge Alphabet an einem Sonntag bei dieser Uhr in der guten Stube und schüttet sein überfließendes Herz unter lautem Ticken einer Buchstabensuppe aus …

Museen

Wie wirkt die Stadt schön, wenn man „von oben herab“ die von der Gemeinde täglich veranstalteten Feuerwerke und Zeltfeste bewundert! Diese Ereignisse organisiert man hier, um den aus Einsparungsgründen aufgelassenen Museen, in denen man einen bestimmten Menschenschlag noch bis vor Kurzem verwahrte, eine vorübergehende Heimstatt zu bieten. Heute kann oder will sich die Gemeinde diese Verwahrung nicht mehr leisten. So laufen viele für mich „aufregende“ Leute frei herum.

Danke!

Rühren wir mit Hilfe des Unsinns die Menschheit, wo der Sinn dazu bisher keinen nennenswerten Beitrag leisten konnte. Der Unsinn, den wir treiben, schenkt uns die Empfindung eines erfüllten Lebens. Nun, nicht, dass das bereits bewiesen wäre. Aber unser Weltenbürgermeister, Mr. The Cramp, bemüht sich sehr, dieser witzigen Behauptung von mir zum Durchbruch zu verhelfen. Er ist es, der wissenschaftliche Seriosität als Übereinstimmung von Erkenntnissen mit dem Willen des Volkes definierte. Ich bin ihm für diese – wenn auch mehr symbolische – Unterstützung meines Unternehmens dankbar.

Wurst

Die Menschen von Lenz werden derzeit über Plakate gefragt, ob sie die Wurst immer noch wie gewöhnliche Bürgerinnen mit dem Messer schnitten. Und alle Lenzer und Lenzerinnen, die den Aufruf gelesen haben,  haben diese Frage anscheinend heimlich mit ja beantwortet. Sie sind hingelaufen und haben sich die neue Wurstguillotine gekauft, um sich – wie vom Plakat versprochen – wie Könige und Königinnen fühlen zu können. Sie haben ihre „Rübe“ abgegeben etc.

Grammatikerinnen

Die Expertinnengruppe, an die in unserer Weltstadt viele glauben, ist die der Grammatikerinnen. Alle Einwohner kennen spätestens im Alter von vierzehn Jahren ihre Kategorien von Subjekt und Objekt aus dem Effeff. Allgemein pflegt man allerdings zu denken, so ähnlich wie ein Objekt zu sein. Dennoch hat ab und zu schon eine darauf hingewiesen, dass es doch, wo so viele Objekte seien, auch etwas geben müsse, das einem Subjekt gleichsehe. Man fand aber bisher unter den Bürgerinnen keine Subjekte. Ja, von Zeit zu Zeit beschwert sich  jemand darüber, dass es in diesem Land nur um dritte und vierte Fälle gehe, dass es nur darum gehe, wem gegeben werde, wem etwas angetan werde, dass es immer darum gehe, wen man opfere oder anklage. Aber für solche Überlegungen ist in den Köpfen der Patientinnen in diesem Institut kein Platz. Nichtsdestotrotz sind sie in jeder Sprache außer der hiesigen Schauspielende und daher ganz einfache erste Fälle. Als solche könnten sie – helf’ Gott! – durchaus aufhören zu handeln, diese Hoffnung gäbe es.

Schnee von gestern

Liebe Leute, wo ist die bedrohlich grinsende Dachlawine hin, die gestern noch überm Schlafzimmerbalkon hing? Da wollte ich die gerade mit dem Besen vom Dach holen. Aber sie ist bereits in den Wald gegangen, hat sich dort eine Hütte gebaut, eine Anleitung aus dem Internet runtergeladen und sich flugs in die Luft gesprengt. Ja, jetzt gerade ist die Dachlawine nach einer langwierigen Prüfung des hiesigen Amtes im Lawinenhimmel angekommen. Da wird Gott jeden Morgen nach dem Aufwachen die Ärmel seines rot-weiß karierten Hemdes aufkrempeln, weil er viel auf ländliche Tradition hält, wird sich an den urtümlichen, hölzernen Waschbottich stellen, den er noch von seiner Großmutter mit den drei weißen Haaren hat, und dann wird er die Dachlawine waschen, bis sie ganz rein ist. Wenn die aber endlich ganz weiß ist wie im Märchen von Frau Holle, darf sie zum Frühstück 70 schneeweiße Jungfrauen unter sich begraben.

Etwas über den tschechischen Ort Zruč

Die poesiepolitische Abteilung des Instituts vermerkt eine Hochkonjunktur der Wortfamilie um das Wort URZ. Angefangen habe das Ganze, so ein Bericht, als das Wort ÜRZUNG in Mode gekommen sei, das man wohl aufgrund einer Genmutation plötzlich als positiv empfunden habe. URZ danach habe man begonnen, URZSICHTIGKEIT als positives Attribut eines Menschen zu empfinden. Endlich aber sei dann sogar, weil man das Wort schon so gewohnt gewesen sei, ein Herr URZ zum Bundeskanzler gekrönt worden. Die poesiepolitische Abteilung widme sich nun selbst, so das Institut, intensiv dem Thema URZSTUDIEN bzw. verschiedenen Angeboten von URZBILDUNG, weil es neuerdings finanziell URZGEHALTEN werde. Das ist nun aber gar nicht INDISCH, sondern ERINDUNGSREICH.