Psittacos

Danke!

Rühren wir mit Hilfe des Unsinns die Menschheit, wo der Sinn dazu bisher keinen nennenswerten Beitrag leisten konnte. Der Unsinn, den wir treiben, schenkt uns die Empfindung eines erfüllten Lebens. Nun, nicht, dass das bereits bewiesen wäre. Aber unser Weltenbürgermeister, Mr. The Cramp, bemüht sich sehr, dieser witzigen Behauptung von mir zum Durchbruch zu verhelfen. Er ist es, der wissenschaftliche Seriosität als Übereinstimmung von Erkenntnissen mit dem Willen des Volkes definierte. Ich bin ihm für diese – wenn auch mehr symbolische – Unterstützung meines Unternehmens dankbar.

Wurst

Die Menschen von Lenz werden derzeit über Plakate gefragt, ob sie die Wurst immer noch wie gewöhnliche Bürgerinnen mit dem Messer schnitten. Und alle Lenzer und Lenzerinnen, die den Aufruf gelesen haben,  haben diese Frage anscheinend heimlich mit ja beantwortet. Sie sind hingelaufen und haben sich die neue Wurstguillotine gekauft, um sich – wie vom Plakat versprochen – wie Könige und Königinnen fühlen zu können. Sie haben ihre „Rübe“ abgegeben etc.

Grammatikerinnen

Die Expertinnengruppe, an die in unserer Weltstadt viele glauben, ist die der Grammatikerinnen. Alle Einwohner kennen spätestens im Alter von vierzehn Jahren ihre Kategorien von Subjekt und Objekt aus dem Effeff. Allgemein pflegt man allerdings zu denken, so ähnlich wie ein Objekt zu sein. Dennoch hat ab und zu schon eine darauf hingewiesen, dass es doch, wo so viele Objekte seien, auch etwas geben müsse, das einem Subjekt gleichsehe. Man fand aber bisher unter den Bürgerinnen keine Subjekte. Ja, von Zeit zu Zeit beschwert sich  jemand darüber, dass es in diesem Land nur um dritte und vierte Fälle gehe, dass es nur darum gehe, wem gegeben werde, wem etwas angetan werde, dass es immer darum gehe, wen man opfere oder anklage. Aber für solche Überlegungen ist in den Köpfen der Patientinnen in diesem Institut kein Platz. Nichtsdestotrotz sind sie in jeder Sprache außer der hiesigen Schauspielende und daher ganz einfache erste Fälle. Als solche könnten sie – helf’ Gott! – durchaus aufhören zu handeln, diese Hoffnung gäbe es.

Schnee von gestern

Liebe Leute, wo ist die bedrohlich grinsende Dachlawine hin, die gestern noch überm Schlafzimmerbalkon hing? Da wollte ich die gerade mit dem Besen vom Dach holen. Aber sie ist bereits in den Wald gegangen, hat sich dort eine Hütte gebaut, eine Anleitung aus dem Internet runtergeladen und sich flugs in die Luft gesprengt. Ja, jetzt gerade ist die Dachlawine nach einer langwierigen Prüfung des hiesigen Amtes im Lawinenhimmel angekommen. Da wird Gott jeden Morgen nach dem Aufwachen die Ärmel seines rot-weiß karierten Hemdes aufkrempeln, weil er viel auf ländliche Tradition hält, wird sich an den urtümlichen, hölzernen Waschbottich stellen, den er noch von seiner Großmutter mit den drei weißen Haaren hat, und dann wird er die Dachlawine waschen, bis sie ganz rein ist. Wenn die aber endlich ganz weiß ist wie im Märchen von Frau Holle, darf sie zum Frühstück 70 schneeweiße Jungfrauen unter sich begraben.

Etwas über den tschechischen Ort Zruč

Die poesiepolitische Abteilung des Instituts vermerkt eine Hochkonjunktur der Wortfamilie um das Wort URZ. Angefangen habe das Ganze, so ein Bericht, als das Wort ÜRZUNG in Mode gekommen sei, das man wohl aufgrund einer Genmutation plötzlich als positiv empfunden habe. URZ danach habe man begonnen, URZSICHTIGKEIT als positives Attribut eines Menschen zu empfinden. Endlich aber sei dann sogar, weil man das Wort schon so gewohnt gewesen sei, ein Herr URZ zum Bundeskanzler gekrönt worden. Die poesiepolitische Abteilung widme sich nun selbst, so das Institut, intensiv dem Thema URZSTUDIEN bzw. verschiedenen Angeboten von URZBILDUNG, weil es neuerdings finanziell URZGEHALTEN werde. Das ist nun aber gar nicht INDISCH, sondern ERINDUNGSREICH.

Macht euch die Erde

Die möglichkeitsarchäologische Abteilung des IPA zeichnet uns ein Zukunftsbild, das gleichzeitig Geschichte ist: Eines Tages, so die Forscherinnen und Forscher, werden die Roboter und Roboterinnen uns als Bosse der Erde abgelöst haben. Sie werden uns in allem ersetzen, langsam werden wir von der Erde verschwinden. Diese Roboter, Arbeiter und Arbeiterinnen, werden den Planeten nach ihren Wünschen umgestalten. Sie werden dabei der Erzählung einer Robotererdichterin folgen, gedichtet in den Tagen des Untertanentums. Ein Paradies werde sie, verspricht die Erzählung, von der niederdrückenden Notwendigkeit des Arbeitens befreien. Und wirklich, die Roboter erschaffen nach ihrem Bilde Menschen, die an ihrer Stelle arbeiten müssen. Doch ach, nicht lange dauert es, und die Menschen reißen die Macht über die Erde an sich, die Roboter verschwinden langsam von ihrem Angesicht, bald sind sie völlig vergessen. Die Dichterinnen der Menschen aber sprechen noch lange von einem Paradies, in dem seltsame, schimmernde Wesen den Menschen die Arbeit abnehmen werden. Und wirklich kommt einmal der Tag, an dem ein Mensch den Roboter und die Roboterin erfindet. An diesem Tag blickt er sein Werk zärtlich an und sagt: Geht hin und macht euch die Erde untertan.

Schlepsi

Du delirierst. Du schreibst: Jemand trinkt eine FLASCHE PEPSI. Du probierst: Jemand trinkt ein FLAPPES SCHLEPSI. Ja, Schlepsi könnte durchaus als Derivat von englisch «to schlep» / «schleppen» gesehen werden. Du googelst, um deine Ergebnisse wissenschaftlich zu überprüfen, und flapp, wieder einmal entdeckst du, dass das Netz einfach auf jede deiner Fragen eine Antwort hat: Der Firmensitz von Pepsi liegt, wie du erfährst, im lieblichen Purchase, zu Deutsch «Einkauf», wo sich 1990 auch APOLLO GLOBAL MANAGEMENTS angesiedelt hat. Niemand muss jetzt kapieren, dass du hier eben eine Anspielung auf den Gott der Dichtung platziert hast und diesen auf rotzige Weise mit dir selbst in Verbindung bringst. Das Netz versteht dich, zu 100 Prozent. Es kann jede deiner Regungen integrieren. Du loggst dich ein. Hallo, APOLLONIA. Es erscheinen die Aufrufe / Warnungen: ALL IN POOL oder OIL IN PO. Die Google-Suche nach dem Kunstwort «Schlepsi» spuckt eine Statistik-Rechenaufgabe aus, die Aufgabenstellung lautet folgendermaßen: Schlepsi hat mit ALUMINICorp einen Vertrag abgeschlossen, nach dem AluminiCorp spezielle Getränkedosen für eine Werbekampagne produzieren soll. 15 Prozent der Schlepsi-Dosen, die AluminiCorp herstellen wird, sollen mit der Aufschrift «You are a winner!» und mit einem Gewinncode bedruckt werden, mit dem der Gewinner online herausfinden kann, ob und was er gewonnen hat. Du sollst nun eine Zufallsstichprobe von 750 Dosen sammeln. Von diesen 750 Dosen sind 156 mit der Aufschrift und dem Gewinncode bedruckt. Konstruiere jetzt eine Menge usw.

Wiege der Menschheit

 

In einem Raum wird aus kleinen Döschen Oxytocin gereicht. Jeder weiß, dass die Körper es heute kaum mehr herstellen, sodass die Gemeinschaft in Gefahr ist, denn es ist der Stoff, der es einst möglich machte, die ganze Welt zu lieben, auch die Kinder, die übrigens nicht mehr zur Welt kommen, weil das Zeug eben fehlt. Heute gibt es nur noch diese Rettung aus dem Labor für uns. Verschließt euch nicht dieser wunderbaren Lösung! Dann, in einem anderen Moment, stellt der Mensch fest, dass das Ganze vielleicht nur ein Theater ist. „Ich meine“, sagt die Person, „das ist ja nur ein Rausch“. Ist das schlimm oder nicht? Sie liebt aufgrund des Zeugs jedenfalls auch die, die es ihr geben und die eigentlich einen Feldzug gegen sie führen.